Alles in Balance: Ohne Böses nichts Gutes?

Vor einiger Zeit habe ich das Buch “Anleitung zum Unglücklichsein” von Paul Watzlawick gelesen. Ich fand das Buch ganz okay, allerdings hatte es keine weitgreifendere, tiefere Botschaft, was ich mir von einem Namen wie Watzlawick erhofft hatte. Dennoch schreibt Watzlawick hier und da einige wahre Dinge auf, die ich gerne näher besprechen würde.

Beispielsweise, dass wir, um glücklich sein zu können, eben auch ab und zu unglücklich sein müssen. Ansonsten wird der Zustand des Glücklichseins nicht mehr als das wahrgenommen, was er ist.

Balance halten: Ohne “böse” kein “gut”?

Nun steht also die Frage im Raum, ob das Negativ von etwas notwendig ist, um dieses etwas als Positiv wahrnehmen zu können und natürlich umgekehrt. Gleichermaßen können wir uns hier mit der Frage beschäftigen ob solch ein einfacher Dualismus überhaupt ausreicht, um unser komplexes Leben zu beschreiben. Zur Vereinfachung können wir das für die Länge des Beitrages, aber schlichtweg als gegeben annehmen.

Meine Antwort auf die Frage also, ob das Negativ notwendig ist:

Ich denke: ja.

Einige Beispiele:

Kamera Negativ Positiv
By Nordwood Themes

Das klassische Beispiel Fotografie. Wenn die Kameratechnik anders funktionieren würde, dann würden Fotos möglicherweise direkt als “Positiv” auf den Film aufgenommen. Aaaaaber so geht das halt nicht. Also werden Fotos im Negativ aufgenommen und später dann zum Positiv entwickelt.

Okay, mal angenommen, wir hätten direkt Digitalfotografie gehabt: Hätte es dann keine Negative gegeben? Hmmm, ich denke als Bildbearbeitungsfunktion hätte es trotzdem das bekannte “Farben invertieren” gegeben. Ist irgendwie ein ganz cooler Effekt, der meiner Meinung nach nicht der früheren Notwendigkeit der Analogfotografie entspringt.

Gut, dieses Beispiel ist natürlich eine Analogie zu allem anderen. Aber diese Fotografiemetapher passt hier einfach wunderbar und außerdem heißt das ja schon Negativ! Alles sehr passend außer, dass das Beispiel die Reziprozität ausschließt.

Oder wir sagen, dass du sowohl gute, als auch schlechte Bücher lesen musst, um diese gut voneinander unterscheiden zu können. Weshalb habe ich bereits in einem anderen Artikel beschrieben. Diesen kannst du HIER lesen.

Ein weiteres Beispiel ist, dass ohne Licht keine Dunkelheit existiert beziehungsweise andersherum. Gut, meistens ist hier der Schatten gemeint, aber extrem gedacht, wüssten wir ohne Licht nicht den Begriff “Dunkelheit” zu benutzen. Gleiches gilt für den Begriff “Licht” in Anbetracht der Abwesenheit von Dunkelheit.

Oder eben wie Watzlawick schon meinte: Glück und Unglück

Ich denke das beantwortet ganz gut die Frage, ob es ohne Ding A (gut) kein Ding B (böse) geben kann (und umgekehrt). Oder was meinst du? Schreib mir deine Meinung gerne unten in die Kommentare!

Es stellt sich aber außerdem die Frage, ob es sich dann hierbei um eine Maxime handelt, die sich auf unsere gesamte Welt übertragen lässt. Das würde dann solche Dinge bedeuten, wie: ohne Krieg keinen Frieden beziehungsweise umgekehrt.

Wichtig dabei ist allerdings, dass es darum geht, dass sich die beiden Dinge stets gegenseitig bedingen und nicht als Mittel zum Erzielen von diesem oder jenem verwendet werden.

Denn es ergibt schließlich auch Sinn, dass wir mit Krieg keinen Frieden herstellen können. Allerdings bedarf es Krieg, um den Zustand des Friedens bestimmen zu können oder?

Gut, dieses Beispiel ist vielleicht tatsächlich ein bisschen weit hergeholt, aber ich hoffe du weißt worauf ich hinaus will.

Balance und Harmonie

Balance gut und böse
By Deniz Altindas

Wenn das also so ist, dass sich zwei Sachen gegenseitig bedingen, müssen sie dann zwangsweise auch in Balance zueinander stehen?

Das Taiji, also das klassische Yin und Yang Symbol (☯), wie man es kennt, steht ja auch in Harmonie zueinander. Die schwarze sowie die weiße Fläche haben die selbe Größe.

Angenommen wir nehmen die Maxime als gegeben und verleihen uns somit eine ganz neue Sicht auf die Welt. Würden wir dann viel mehr auf Harmonie in der Welt pochen? Oder bleibt unsere romantische Vorstellung eine Vorstellung, die in der heutigen Welt und Wirtschaft dermaßen realitätsfern ist, dass man sich fast schon schämt darüber nachzudenken?

Ist das überhaupt noch möglich?

Ein Leben:

  • In Harmonie in Bezug auf Mensch und Natur? – Sehr schwierig.
  • In Harmonie mit der Gesellschaft und unseren Mitmenschen? – Vielleicht.
  • In Harmonie mit uns selbst? -Ja.

Irgendwie beschleicht mich manchmal das Gefühl, dass wir viel zu wenig über solche Dinge nachdenken. Vor allem vor dem Hintergrund, dass sich doch so viele Dinge bis zu einem gewissen Grad gegenseitig bedingen.

Hierbei gilt, und es ist mindestens genauso wichtig dies zu erkennen, dass es offensichtlich schlecht ist, wenn wir von unserer “bösen Seite” zu viel haben. Was jedoch im Umkehrschluss, sofern wir die Balance von gut und böse als wahr anerkennen, dass zu viel des Guten auch schlecht sein kann, weil es somit auch mehr schlechtes geben muss.

Das lässt sich allerdings nur schwer vermeiden, denn wie wir feststellen werden, wäre es ein ganz schön langweiliges Leben, wenn immer nur alles ausgeglichen wäre.

Ohne Höhen und Tiefen, taumelt alles in einem langweiligen Einheitsbrei, der uns nach und nach gleichgültig ihm gegenüber werden lässt. Nichts ist mehr spannend, aber auch nichts wirklich langweilig. Nichts mehr cool und nichts uncool. Alles ist irgendwie so: Meh.

Also…?

Für mich persönlich würde ich behaupte, dass es in meinem Leben schon des Öfteren vorgekommen ist, dass ich die Harmonie von Dingen direkt erlebt habe. Oder es sich zumindest so interpretieren ließ.

Möglicherweise bin ich an dieser Stelle auch der romantischen Auffassung verfallen, dass sich im Leben alles fügen muss und wird und wir deshalb gute sowie schlechte Dinge akzeptieren müssen. Was an dieser Stelle keineswegs bedeuten soll, dass wir sie nicht ändern können sondern, dass wir, um sie überhaupt erst ändern zu können, sie erkennen müssen.

Möglicherweise befindet sich darin auch der Schlüssel zu einem von vielen herbeiersehnten “ausgeglichenen Leben”. Die viel proklamierte Phrase sagt jedoch gar nichts darüber aus, wie solch ein Leben auszusehen hat.

Ein möglicher Ansatz wäre acht Stunden Schlaf, 8 Stunden Arbeit und 8 Stunden Freizeit. Mathematisch ist das vielleicht ausgeglichen, würde der Mehrheit der Menschen aber alles andere als ausgeglichen erscheinen.

Möglicherweise hilft uns die Erkenntnis dieser Balance dabei mit etwas mehr Gelassenheit auf unser Leben zu blicken. Wenn wir davon ausgehen, dass sich unser Leben schon wieder richten wird und all das Leid der Stress und die Sorgen Teil von unserer Freude, Entspannung und unserer Träume sind, dann kann ich diesen ganzen Problemen gelassener Entgegenblicken. Ich würde nicht behaupten, dass ich mich auf sie Freue, jedoch freue ich mich auf das, was danach kommt, denn ich weiß: es geht wieder bergauf.

Allerdings stellt sich hier dann die Frage, ob wir aktiv etwas tun können, um uns aus dem Negativ wieder ins Positiv zu manövrieren. Ich denke nicht, dass sich das Leben von ganz alleine wieder einpendelt, wie ich es in einem anderen Blogbeitrag schonmal beschrieben habe.

Vielmehr könnte ich es mir so vorstellen, und das klingt an dieser Stelle vielleicht ein wenig esoterisch, dass wir in unserem Leben an einen Punkt gelangen, an welchem wir den Mut und die Energie bekommen uns selbst aus diesem Sumpf zu ziehen und somit aktiv zum Positiven beitragen.

Eben genauso, wie wir Zeiten in denen es uns schlecht geht, durch ungesunde Bewältigungsmechanismen, noch schlimmer für uns machen können.

Am Ende habe ich diesen Beitrag also nicht nur mit dem Blick auf Gut und Böse und ihre Relation und Balance zueinander, sondern auch über Hoffnung geschrieben. Somit hoffe ich, dass ich dich mit diesem Beitrag vielleicht ein bisschen Aufheitern konnte und dir ein wenig Gelassenheit in dein alltägliches Leben streuen.

Vielen Dank fürs Lesen und

bleib auf Umwegn!

Über UMWEGN

Seit 2016 schreibe ich nun auf UMWEGN. Das alles startete in Begleitung zu meinem Buch und mehr als ein Experiment. Mittlerweile möchte ich das Buch, den Blog oder den Podcast nicht mehr missen. Auf UMWEGN geht es um Gesellschaft, Kommunikation, Selbstentwicklung und hin und wieder um philosophisches. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

close

Abonniere jetzt meinen Newsletter und verpasse nie mehr einen Post!

Weiter Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung

2 Antworten auf „Alles in Balance: Ohne Böses nichts Gutes?“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.