Die Gefahr der Filterblase: Steckst du drin?

Sagt mal… folgt ihr eigentlich Leuten, die ihr nicht mögt?

Nicht, um sie in den Kommentaren fertig zu machen oder um zu sehen, was sie schon wieder alles falsch machen, sondern um euch ihre Meinung anzuhören?

Oder lest ihr Medien, derer Meinung ihr eigentlich nicht teilt?

Nein?

Dann steckt ihr mitten in einer Filterblase.

Es gilt: Wir stecken in einer Filterblase, wenn wir mit unseren Ansichten und Überzeugungen auf wenig bis gar keinen Widerstand in unserem täglichem Leben stoßen. Wenn wir immer mit allen einer Meinung sind und andere Meinung schnell abblocken, sind wir bereits tief in der Blase drin.

Wenn wir diesen Punkt erreicht haben, nehmen wir nur noch selektierte Informationen wahr, die unsere Ansichten und Überzeugungen bestärken. Alle anderen Informationen werden herausgefiltert. Diese einseitige Versorgung mit Informationen kann unser Weltbild stark verzerren und uns absurde Dinge glauben machen.

Daraus auszubrechen ist allerdings gar nicht so einfach.

Weshalb wir in unseren Filterblasen stecken

Ich finde das ja überhaupt nicht abwegig, in einer Filterblase zu stecken. Wir müssen schon irgendwo masochistisch veranlagt sein, um Leuten zu folgen, die nicht unserer Meinung entsprechen. Vor allem dann, wenn diese ganz gehörig unserer Meinung widersprechen und wir wirklich überhaupt nichts mit ihnen teilen.

Natürlich wird hier und da immer gepredigt, dass wir offen für Neues und offen für Anderes sein müssen. Eine derartige Offenheit ist auch eine noble Tugend. An dieser Stelle muss dann wohl das passende Stichwort “Toleranz” fallen. Vielleicht müssen wir manchmal einfach masochistisch sein und offen gegenüber Dingen, die wir nicht mögen um diese Tugenden von Offenheit und Toleranz gegenüber Neuem leben zu können.

Ich habe das tatsächlich mal ein paar Monate ausprobiert. Ich habe einem Account auf Twitter gefolgt, dessen Meinung ich äußerst selten teile. Eben aus dem Grund meine eigene Filterblase zum Platzen zu bringen. Das hat zunächst auch gut funktioniert. Bis ich nach einigen Wochen die Beiträge ganz einfach zu überscrollen begann. Ich habe nicht mal mehr gelesen, zu welchem Thema etwas gepostet wurde. Später bin ich dem Kanal dann entfolgt, schließlich las ich die Beiträge ohnehin nicht.

Das Scheitern meines Experiments hatte nun verschiedene Gründe. Ich schätze mal das auch einer davon gewesen sein wird, dass soziale Medien hauptsächlich auf positive Affirmationen beruhen. Schließlich sprechen wir hier von “Likes” und “Gefällt mir”. Jedenfalls war das anfangs so, mittlerweile hat beispielsweise Facebook auch andere Reaktionen wie beispielsweise “wütend” eingeführt.

Kommentare sind von vornherein subjektiv und können sowohl positiv oder negativ sein. Die Kommentare allerdings können von Usern abermals mit “Gefällt mir” markiert werden.

Und wenn man jetzt mit den Posts von Personen nicht interagiert, warum ist man dann überhaupt auf sozialen Medien unterwegs. Diese Interaktion macht es doch erst aus.

Ansonsten handelt es sich nur um einen:

Einseitiger Meinungsaustausch

Filterblase in den Medien Facebook

Ein paradoxer Begriff, nicht wahr? Im Umgang mit sozialen Medien allerdings schon lange keine Neuheit mehr. Es gibt ein paar wenige Nutzer, die im Internet stets ihre Meinung hinhausposaunen, jedoch nie andere Meinung selbst konsumieren.

Diese Nutzer gehören dann aktiven Minderheiten an, die für einen Großteil von Content verantwortlich sind, wie beispielsweise diese Studie des Institute for Strategic Dialogue (ISD) zeigt.

Der Rest von uns, ist meistens still im Internet, was ich auch sehr interessant finde. Klar es gehört ein wenig Überwindung dazu, einen Kommentar zu verfassen. Vielleicht aus Angst im Internet angegriffen zu werden. Vielleicht auch, weil wir unserer Meinung dann doch nicht mehr so sicher sind. Möglicherweise aber auch, weil uns der Post einfach so gegen die Meinung geht, dass wir ihn durch unseren Kommentar nicht auch noch pushen wollen.

Oder vielleicht hat einfach jemand in unserer Filterblase schon etwas ähnliches kommentiert und unser eigener Kommentar, wäre einfach eine Wiederholung. Das kann in Filterblasen schnell passieren, schließlich hat man sehr ähnliche Überzeugungen und Ansichten.

Wie kommen wir aus der Filterblase heraus?

Klar die Lösung scheint einfach: Mit Menschen reden, die anderer Meinung sind oder eben Medien konsumieren, die wir normalerweise nicht konsumieren würden.

Klar ist jedoch, dass das ganz schön anstrengend ist. In der Doku “Im Netz der Lügen” von Mario Sixtus werden einige psychologisch Effekte angesprochen, die es uns noch schwerer machen aus unserer Filterblase auszubrechen.

Möglicherweise kommt auch noch hinzu, dass unsere Diskussionskultur verfälscht ist. Schon lange geht es darin nicht mehr um die Findung von Gemeinsamkeiten oder gar Lösungen sondern um das Gewinnen. Der Diskussions-“Gegner” muss totargumentiert werden. Und wenn dieser dann nicht nachgibt, dann ist man natürlich nicht selbst schuld sonder das Gegenüber ist einfach nicht einsichtig.

Ich danke ganz allgemein gesehen, stecken wir alle in unserer persönlichen Filterblase. Wie groß und diversifiziert diese ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und damit müssen wir leben. Immer neue Erinnerungen daran, sich auch mal die andere Seite einer Medaille anzuschauen, können uns helfen auch hin und wieder mal aus der Filterblase auszubrechen.

Stets offen für Neues zu sein, kann uns ebenfalls dabei helfen. Auch wenn wir uns selbst wohl alle offener einschätzen als wir tatsächlich sind.

Mich freut es auf jeden Fall Teil eurer Filterblase zu sein!

Wenn ihr euch noch ausführlich dazu informieren wollt, kann ich die Doku sehr empfehlen. Ihr findet sie hier. Falls ihr euch nicht alles anschauen wollt dann schaut euch zumindest die Zusammenfassung ab 38:42 (circa 7min) an.

Vielen Dank fürs Lesen und

bleibt auf Umwegn!

unsplash-logo“Facebook” Foto von Kon Karampelas unsplash-logo“Blase” Foto von Mathilda Khoo

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