Die Gier in dir: Angst, Sicherheit und Selbstverwirklichung

Schau vor dich auf den Tisch oder deinen Schoß. Stell dir dort einen Teller mit deiner liebsten Süßigkeit vor. Wie sie vor dir liegt. Stell dir die Farbe und die Textur vor, wie sie duftet und wie sie schmecken wird. Stell dir vor, das ist nicht nur deine Lieblingssüßigkeit, sondern das mit Abstand Schmackhafteste, dass du jemals probiert hast.

Und nun stell dir vor, dass vor dir nicht nur ein paar sondern etliche liegen. Wie viele nimmst du davon?

Eins? Ein paar oder doch so viele wie du tragen kannst?

Das einseitige Bild der Gier

Wie viele du mitnimmst, wirkt sich in unserem Gedankenexperiment nicht negativ aus. Und schließlich habe ich dir ja auch gesagt, dass es etliche gibt. Woher diese kommen, bleibt allerdings ein Geheimnis.

Kommt dir das irgendwie bekannt vor?

Irgendwie, ist es doch auch so in unserem täglichen Leben oder? Auch wenn es sich dort eher selten um unsere Lieblingssüßigkeit handelt. Das ist auch nicht der zentrale Punkt. Es kann uns völlig egal sein, nach was wir Verlangen empfinden. Es ist erhältlich und das en masse.

Warum sich also zügeln? Immer her damit und vor allem immer mehr davon.

Frei nach Moneyboy:

Jedem das seine, aber mir bitte am meisten.

Moneyboy – Monte Carlo

Und warum heißt dieser Textabschnitt eigentlich “Das einseitige Bild der Gier”? Weil du dich eben doch zügeln musst. Woher kommt das ganze Zeug? Woher kommen die ganzen Produkte und Waren, die du tagtäglich ge- und verbrauchst?

Wir können nicht einfach “mehr” schaffen, damit wir das meiste haben.

Die Frage ist, ob Gier immer auf Kosten anderer geht.

Warum sind wir gierig?

Gier, Angst, Unsicherheit, Selbstverwirklichung
Photo by Miguel Orós on Unsplash

Zunächst aber erst einmal die Frage, warum wir überhaupt gierig sind. Ein gewisses bisschen Gier ist ganz natürlich. Wir sind gierig, weil es Sicherheit bedeutet, wenn wir ein gewisses Maß an Ressourcen anhäufen. Wir können somit unsere eigene Existenz und die unserer Familie oder des Rudels sichern. Wir haben genug für alle, die unmittelbar um uns herum sind.

Diese Gier aus Gründen der Sicherheit kann durch Unsicherheit gefördert werden. Das konnten wir ja die vergangenen Wochen sehr gut im Rahmen der Coronapandemie beobachten. Die Menschen begannen weltweit beispielsweise Klopapier zu horten. Wie auch immer das die Existenz der Menschen sichern soll, sei mal dahingestellt.

Vielleicht ist es aber auch keine existenzielle Unsicherheit, sondern persönliche Unsicherheit. Du vergleichst dich mit anderen und bist dir deines eigenen Werts gegenüber anderen unsicher. Du übertreibst, wirst gierig und das alles nur, um den anderen zu zeigen, was du alles hast.

Weiterhin kann auch Gelegenheit deine Gier beflügeln. Wenn du einfach die Gelegenheit hast, dir unbemerkt viel von etwas zu nehmen… tust du’s dann?

Vielleicht aber wirkt es manchmal auch einfach so als ob wir gierig seien. Wenn du deinen eigenen Bedarf grundlegend überschätzt. Beispielsweise kennst du das doch sicherlich auch, wenn deine Augen mal wieder größer als dein Hunger waren. Dann warst du in diesem Moment ja nicht einfach gierig, sondern du bist davon ausgegangen, dass du das essen wirst.

Was bedeuten diese Gründe, Auslöser und Treiber dann für uns?

Angefangen bei dir

würde ich behaupten, dass wir uns grundlegend bewusst machen müssen, wie viel wir tatsächlich brauchen. Das muss nicht unbedingt heißen, dass du deine eigenen Bedürfnisse zurückstellen musst. Kann es aber.

Je nachdem, wie viel du aktuell konsumierst und wie viel du davon eigentlich wirklich brauchst.

Versteh mich an dieser Stelle bitte nicht falsch. Ich möchte nicht sagen, dass wir alle am Existenzminimum leben sollten. Wir müssen genausowenig alle zu Minimalisten mutieren. Ich möchte viel mehr den Fokus darauf richten, dass wir heutzutage gar nicht überschauen können, was wir alles haben. Und viel davon brauchen wir auch nicht. Ein mal benutzt und ab in den Schrank ist in meinen Augen alles andere als bewusst konsumiert.

Ich mag auch die Sachen, die ich habe, klar. Mmanches davon benutze ich auch wenig. Das ist ja auch okay. Das Ding ist wohl eher, ob wir immer mehr anhäufen, ohne andere Dinge auch wieder loszuwerden. Wenn wir immer mehr haben, dann können wir immer weniger von all dem Zeug benutzten, das wir haben.

Die Balance der Zufriedenheit haltenEs ist nicht einfach an dieser Stelle eine klare Empfehlung auszusprechen.

Wäre es nicht super, wenn du mit weniger Zufriedener wärst? Nicht endlos im Internet nach dem neusten Scheiß suchen, nur um deine Freunde zu beeindrucken. Das würde ungeheuer viel Druck von dir nehmen und eben auch die Unsicherheit, die ich zu Beginn des Artikels angesprochen habe.

Grundsätzlich ist es nichts schlechtes, wenn wir nach “mehr” streben. Dieses Streben war treibende Kraft für viele Innovationen und Erfindungen. Es ist ebenso grundsätzlich nichts schlechtes, wenn wir vollkommen zufrieden sind, mit dem was wir haben.

Ich halte es allerdings trotzdem für die beste Lösung, wenn wir eine Art Mittelweg bestreiten. Also sowohl konsumieren, als auch zufrieden damit sind, was wir haben. Es hört sich an dieser Stelle vielleicht paradox an, allerdings darfst du auch nicht vergessen, dass dein Konsum auch das Brot eines anderen ist. Mit dem Geld, das du ausgibst, kann sich jemand anderes etwas zu essen kaufen. Es ist aber auch wahr, dass es für uns häufig so ist, dass das Gras auf der anderen Seite des Zauns immer grüner ist.

Deshalb darfst du nicht in ein Wetteifern mit anderen kommen und dich somit zum extremen Konsum hochsticheln. Du musst wissen, wo dein persönliches Limit ist und ab wann du Zufrieden bist.

Auf unsere Kosten

Was heißt das nun aber für die Frage, ob Gier immer auf Kosten anderer geht?

Wie ich gerade eben schon geschrieben habe, ist deine Gier oder dein Konsum von viel Zeug auch der Verdienst eines anderen. Soweit, so gut. Bei genauerem Betrachten, fällt aber auf, dass das nur funktioniert, wenn beim Verkauf des Produkts, auch Gewinn übrig bleibt. Wenn der Verkäufer eine Gier nach maximal viel Gewinn verspürt, dann kann das nur auf kosten anderer passieren.

Beispielsweise werden Löhne gedrückt oder Mitarbeiter gegen preiswertere Maschinen ersetzt. Und wenn du nun auch fröhlich weiter konsumierst, kann es sein, dass du über die durch dich gesteigerte Nachfrage das auch noch unterstützt.

Insofern würde ich also behaupten, dass Gier nur auf Kosten andere möglich ist.

Was hältst du davon? Schreib mir das doch gerne mal in die Kommentare unten!

Ich bin gespannt. Vielen Dank für’s Lesen und

bleib auf UMWEGN!

Quellen:

https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article123695457/Die-Gier-nach-mehr-ist-im-Menschen-angelegt.html

https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0956797612464785

https://karrierebibel.de/gier/

https://www.youtube.com/watch?v=s2w4WL5GbXo

Frick (2017). Die vollkommene Gesellschaft, S. 56f, 62f

Über UMWEGN

UMWEGNSeit 2016 schreibe ich nun auf UMWEGN. Das alles startete in Begleitung zu meinem Buch und mehr als ein Experiment. Mittlerweile möchte ich das Buch, den Blog oder den Podcast nicht mehr missen. Auf UMWEGN geht es um Gesellschaft, Kommunikation, Selbstentwicklung und hin und wieder um philosophisches. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

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