Gut & Böse

Gerne auch “Yin und Yang” oder wie auch immer du das nennen willst.

Wie einige von euch bestimmt schon in meiner Instagram-Story gesehen haben, habe ich letztens das Buch “Anleitung zum Unglücklichsein” von Paul Watzlawick gelesen. Ich fand das Buch ganz okay, allerdings hatte es keine weitgreifendere, tiefere Botschaft, was ich mir erhofft hatte. Dennoch schreibt Watzlawick hier und da einige wahre Dinge auf.

Beispielsweise, dass wir, um glücklich sein zu können, eben auch ab und zu unglücklich sein müssen. Ansonsten wird der Zustand des Glücklichseins nicht mehr als das wahrgenommen, was er ist.

Ohne “gut” kein “böse”?

Nun steht also die Frage im Raum, ob das Negativ von etwas notwendig ist, um dieses etwas als Positiv wahrnehmen zu können.

Ich denke: ja.

Einige Beispiele:

Das klassische Beispiel Fotografie. Wenn die Kameratechnik anders funktionieren würde, dann würden Fotos möglicherweise direkt als “Positiv” auf den Film aufgenommen. Aaaaaber so geht das halt nicht. Also werden Fotos im Negativ aufgenommen und später dann zum Positiv entwickelt.

Okay, mal angenommen, wir hätten direkt Digitalfotografie gehabt: Hätte es dann keine Negative gegeben? Hmmm, ich denke als Bildbearbeitungsfunktion hätte es trotzdem das bekannte “Farben invertieren” gegeben. Ist irgendwie ein ganz cooler Effekt, der meiner Meinung nach nicht der früheren Notwendigkeit der Analogfotografie entspringt.

Gut, dieses Beispiel ist natürlich eine Analogie zu allem anderen. Aber diese Fotografiemetapher passt hier einfach wunderbar und außerdem heißt das ja schon Negativ! Alles sehr passend außer, dass das Beispiel zwar die Reziprozität ausschließt.

Oder wir sagen, dass du sowohl gute, als auch schlechte Bücher lesen musst, um diese gut voneinander unterscheiden zu können. Weshalb habe ich bereits in einem anderen Artikel beschrieben. Diesen kannst du HIER lesen.

Ein weiteres Beispiel ist, dass ohne Licht keine Dunkelheit existiert beziehungsweise andersherum. Gut, meistens ist hier der Schatten gemeint, aber extrem gedacht, wüssten wir ohne Licht nicht den Begriff “Dunkelheit” zu benutzen. Gleiches gilt für den Begriff “Licht” in Anbetracht der Abwesenheit von Dunkelheit.

Oder eben wie Watzlawick schon meinte: Glück und Unglück

Ich denke das beantwortet ganz gut die Frage, ob es ohne Ding A (gut) kein Ding B (böse) geben kann (und umgekehrt). Oder was meinst du? Schreib mir deine Meinung gerne unten in die Kommentare!

Es stellt sich aber außerdem die Frage, ob es sich dann hierbei um eine Maxime handelt, die sich auf unsere gesamte Welt übertragen lässt. Das würde dann solche Dinge bedeuten, wie: ohne Krieg keinen Frieden beziehungsweise umgekehrt.

Wichtig dabei ist allerdings, dass es darum geht, dass sich die beiden Dinge stets gegenseitig bedingen und nicht als Mittel zum Erzielen von diesem oder jenem verwendet werden.

Denn es macht schließlich auch Sinn, dass wir mit Krieg keinen Frieden herstellen können. Allerdings bedarf es Krieg, um den Zustand des Friedens bestimmen zu können oder?

Gut, dieses Beispiel ist vielleicht tatsächlich ein bisschen weit hergeholt, aber ich hoffe du weißt worauf ich hinaus will.

Harmonie

Wenn das also so ist, dass sich zwei Sachen gegenseitig bedingen, müssen sie dann zwangsweise auch in Harmonie zueinander stehen?

Das Taiji, also das klassische Yin und Yang Symbol (☯), wie man es kennt, steht ja auch in Harmonie zueinander. Die schwarze sowie die weiße Fläche haben die selbe Größe.

Angenommen wir nehmen die Maxime als gegeben und verleihen uns somit eine ganz neue Sicht auf die Welt. Würden wir dann viel mehr auf Harmonie in der Welt pochen? Oder bleibt unsere romantische Vorstellung eine Vorstellung, die in der heutigen Welt und Wirtschaft dermaßen realitätsfern ist, dass man sich fast schon schämt darüber nachzudenken?

Ist das überhaupt noch möglich?

Ein Leben:

  • In Harmonie in Bezug auf Mensch und Natur? – Sicherlich nicht.
  • In Harmonie mit der Gesellschaft und unseren Mitmenschen? – Vielleicht.
  • In Harmonie mit mir selbst? -Ja.

Also…?

Ja, hmm, gute Frage.

Was ich jetzt mit diesem Beitrag bewirken will, weiß ich auch nicht so richtig.

Okay, vielleicht möchte ich einfach die Aufmerksamkeit darauf richten, dass es gar nicht so schlimm ist, wenn du mal unglücklich bist. Oder, dass es nicht so schlimm ist, wenn du dich mal alleine fühlst. Das geht vorbei und ist einfach notwendig, damit du das kommende Positiv, besser oder gar überhaupt erleben kannst.

Wow hört sich voll wie ein Instagram-Spruch an… also: #quoteoftheday und so

Es ist natürlich irgendwo auch eine sehr romantische Vorstellung, wenn wir uns sagen, dass alles seinen Sinn hat. Auch die schlechten Dinge, wie Fehler, die wir machen, eben diese Perioden in welchen wir unglücklich sind oder Enttäuschungen, die wir erfahren.

Nun darfst du diese schlechten Dinge nicht verherrlichen oder gar die Gegebenheit, dass sie einfach dazu gehören, als Universalausrede für bspw. schlechtes Verhalten verwenden.

Oh höret das 11. Gebot wurde uns überliefert!

Nein Spaß beiseite, denn schließlich lässt sich die oben beschriebene Maxime sowohl als Aufmunterung in schweren Zeiten sowie als Rechtfertigung von schlechten Dingen verwenden.

Und damit Amen, bis zum nächsten Mal, sorry für das abrupte Ende, aber das war notwendig, um euch die vollendeten Enden meiner anderen Blogbeiträge näher zu bringen… 🙂

Vielen Dank fürs Lesen und

bleib auf Umwegn!

“Stones” Photo by Deniz Altindas

“Camera” Photo by NordWood Themes

Über UMWEGN

UMWEGNSeit 2016 schreibe ich nun auf UMWEGN. Das alles startete in Begleitung zu meinem Buch und mehr als ein Experiment. Mittlerweile möchte ich das Buch, den Blog oder den Podcast nicht mehr missen. Auf UMWEGN geht es um Gesellschaft, Kommunikation, Selbstentwicklung und hin und wieder um philosophisches. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

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