Leichtgläubigkeit: Wie einfältig bist du?

Wir stecken mitten in einer Krise. Und täglich kommen neue Erkenntnisse, Daten und Fakten an die Öffentlichkeit. Viele davon sind belegte Tatsachen, einige aber auch unbelegt oder sogar komplett falsch. Warum fallen aber immer noch so viele Leute auf die sogenannten “Fake News” herein? Sind sie zu einfältig?

Gerade durch die, in den letzten Jahren, medial präsenten Fake News sollten wir doch annehmen dürfen, dass die Menschen den Nachrichten kritischer gegenüberstehen sollten.

Doch weiterhin werden Whatsappnachrichten mit vermeintlichen Tatsachen versendet und Youtube Videos von vermeintlichen Experten mit sehr steilen Thesen geteilt. Woran liegt das?

Vertrauen: Warum bist du einfältig?

Vertrauen und Leichtgläubigkeit: Schild mit Trust Aufkleber

Na klar, an einer fehlenden kritischen Herangehensweise beziehungsweise dem einfachen Abhandensein von Information.

Wenn wir genügend Informationen über einen Sachverhalt haben, können wir relativ einfach seinen Wahrheitsgehalt bestimmen. Hierbei stellt sich allerdings abermals die Frage aus welcher Quelle die Informationen stammen.

Am besten wäre es in dieser Situation natürlich, wenn wir sie irgendwie selbst erlangt hätten. Aber selbst dort, können wir getäuscht werden. Das bedeutet wohl im Umkehrschluss, dass wir nie sicher sein können, ob wir einer Nachricht vertrauen können oder nicht.

Wir können also nur über Vertrauen den Wahrheitsgehalt einer Nachricht bestimmen. Vertrauen in die Quelle oder Vertrauen in das Wissen der breiten Masse, die diese Nachricht bereits für Wahr deklariert.

Ein Test

Und wie wir wissen, könne wir in sekundenschnelle Vertrauen in etwas haben, ohne auch nur irgendeinen Hintergrund zu haben. Studien zufolge lässt sich das Vertrauen eines Menschen in eine vermeintliche Tatsache nur über die verwendete Ausdrucksweise steuern.

Was hältst du von diesem Fakt? Hast du ihn geglaubt? Hast du dich gefragt, woher ich das habe und um welche Studie es geht? Hättest du die Studie weiterhin hinterfragt, wie viele Probanden beteiligt waren, wie der Versuch aufgebaut war und wer ihn hinter welchem Vorwand durchgeführt hat?

Wahrscheinlich hättest du es einfach so geglaubt ohne zu hinterfragen. Das liegt zum einen daran, dass es wissenschaftlich klingt, wenn man “Studien zufolge” verwendet. Dies wird weiterhin verstärkt, weil es “Studien” und es sich angeblich nicht nur um eine handelt. Du sprichst der Tatsache gleich mehr Glaubwürdigkeit zu. Weiterhin ist das Hinterfragen von Studien mit einem gewissen Aufwand verbunden, weshalb du das eher nicht weiter verfolgen wirst.

Und es kommt noch hinzu, dass du mir sehr wahrscheinlich auch vertraust. 🙂

Und vielleicht sogar soweit vertraust, als dass ich meine Fakten recherchiere und quasi die Arbeit für dich mache.

Es sind also einige Aspekte, die in deine subjektive Wahrnehmung von Glaubwürdigkeit einfließen und mit ihr spielen.

Und du fällst einfach darauf hinein…..

Ein Abhärtungseffekt?

Irgendwann habe ich mich dann gefragt, ob es möglicherweise zu einem Abhärtungseffekt kommen könnte. Wenn wir häufiger hinters Licht geführt werden, hinterfragen wir dann auch häufiger Dinge?

Weil wir schon so oft von unserer eigenen Einfältigkeit kalt erwischt wurden. Weitergespinnt bleibt dann herauszufinden, wie viele und wie gravierend diese “Fehler” sein müssen, um einen nachhaltigen Lerneffekt zu erzielen.

Oder ob es sich schlicht um eine antrainierte Fähigkeit handelt, also etwas, dass wir durch unsere Erziehung gelernt haben.

Das Gleichgewicht halten?

Wenn ich so über dieses Thema nachdenke, frage ich mich, ob man es als einfältige Person leichter oder schwerer hat im Leben. Vielleicht ist so eine Einfältigkeit auch ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite könntest du ausgenutzt werden, wenn du sehr einfältig bist. Es könnte dir auch schwer fallen, dich gegen andere zu behaupten. Manchen Leuten gehst du vielleicht sogar auf die Nerven.

Andererseits könnte man auch meinen, dass einfältige Personen ein unbeschwerteres Leben haben, da sie die Dinge nicht so sehr durchdenken und sich schlichtweg nicht so viele Gedanken um etwas machen.

Optimal wäre es also, wenn wir unsere Einstellung in den entsprechenden Situationen so verändern könnten, dass wir nicht ausgenutzt werden können, aber auch nicht zu viel Energie in überflüssige negative Gedanken stecken.

Nur leider ist Leichtgläubigkeit keine dynamische Einstellung, die wir mal so oder so anwenden können.

Die richtige Balance dazwischen zu halten ist wohl auch schwer, denn wann ist man zu einfältig, wann zu wenig?

Womöglich musst du einfach deine Erfahrung machen, wie jeder andere auch. Sich stets ins Gedächtnis zurufen, dass etwas doch ganz anderes sein könnte und man es kritisch hinterfragen sollte, ist leider nur schwer praktikabel.

In diesem Fall ist es dann wohl viel eher Erstrebenswert die Balance zwischen blindem Vertrauen und grundlegendem Misstrauen in Informationen zu erreichen. Die Balance zwischen zu viel und zu wenig Leichtgläubigkeit wird sich dann schon von ganz alleine ergeben.

So viel dazu und jetzt noch eine abschließende Frage an dich:

Sind einfältige Personen glücklicher in ihrem Leben, obwohl sie wahrscheinlich häufiger von anderen ausgenutzt werden?

Schreib es mir in die Kommentare ich bin gespannt von dir zu hören!

Vielen Dank und

bleib auf UMWEGN!

Über UMWEGN

Seit 2016 schreibe ich nun auf UMWEGN. Das alles startete in Begleitung zu meinem Buch und mehr als ein Experiment. Mittlerweile möchte ich das Buch, den Blog oder den Podcast nicht mehr missen. Auf UMWEGN geht es um Gesellschaft, Kommunikation, Selbstentwicklung und hin und wieder um philosophisches. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

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4 Antworten auf „Leichtgläubigkeit: Wie einfältig bist du?“

  1. Ich finde, dass es bei der Corona Krise sogar fast gegenteiliges als Leichtgläubigkeit zu beobachten gab: Die Medien haben schon Anfang des Jahres auf die Bedrohung des Virus hingewiesen, jedoch hat sich in der Gesellschaft nicht der nötige Respekt vor dieser Krankheit durchgesetzt. Meiner Meinung nach liegt das daran, dass wir so daran gewöhnt waren, dass Medien oft viel zu viel Lärm um nichts machen oder gar Fake News kursieren. Erst als die Lage in Italien immer schlimmer wurde, die Krise auf einmal (schon rein geographisch) greifbarer wurde, wurden die Medienberichte für voll genommen. Natürlich spreche ich hier von seriösen Medien und nicht von dubiosen Whatsapp Nachrichten und Fake-News Generatoren (Stichwort Kokain hilft gegen Corona).

    1. Hey Marc!
      Erstmal merci für deinen Kommentar.

      Jetzt wo du es sagst, sind vielleicht gar nicht die Medien so stark daran schuld. Bei der Tagesschau gibt es einen schönen Überblick, wann Gesundheitsminister Jens Spahn was zu Corona gesagt hat. Siehe hier: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/spahn-corona-113.html

      Klar kann man aber auch nicht wissen, wie ernst etwas ist, wenn es sonst auch keiner weiß. Oder wie schützend im Falle der (selbstgenähten) Mundschutz. Und durch die damals noch sehr häufigen Vergleiche mit der Grippe, wurde Corona dann vielleicht einfach nicht ernst genommen. Grippe gibt es schließlich jedes Jahr.

      Zusätzlich, wie du schon ansprichst, ist die Distanz zum Ausbruchsgebiet in China so groß, dass es eben noch nicht greifbar war und es für die Leute weiter abgetan wurde als eine Epidemie, die ja nicht in Europa stattfindet.

      Vielleicht ist hierbei die breite Masse einfach Opfer des “Confirmation Bias” geworden. Sprich: Corona in China ist weit weg und tut mir ja hier nichts –> Also sehe ich die Nachrichten als aufbauschend

      Später dann vielleicht
      Corona wird in Deutschland immer schlimmer, Läden werden geschlossen, etc –> die Nachrichten für mich spät dran

      Interessant fand ich auf jeden Fall, dass weiterhin Mythen umhergehen, wie man Corona früherkennen könnte. Beispielsweise durch Luftanhalten oder Neuerdings durch die Sauerstoffkonzentration. Entweder machen dort Hersteller gewieft Viral Marketing oder die Leute kommen durch die Ausgangsbeschränkungen selbst auf solche tollkühnen Ideen.

      Wie dem auch sei, bleib gesund und nochmal Danke für den Inspirierenden Kommentar!

      Liebe Grüße
      Lorenzo

  2. “Oder ob es sich schlicht um eine antrainierte Fähigkeit handelt, also etwas, dass wir durch unsere Erziehung gelernt haben.”

    Ich glaube, dass es definitiv eine antrainierte Fähigkeit ist, ob man News und Studien kritisch hinterfragt. Wer dies in seinem Alltag regelmäßig machen muss (ob durch das Studium oder den Beruf) wird das ganz natürlicherweise auch in anderen Situationen beibehalten. Das hat für mich auch weniger mit Vertrauen zu tun als mit einer systematischen (automatischen) Herangehensweise vom Überprüfen von Informationen. Ich weiß nicht, ob Leute, die einfach weniger Erfahrung damit haben und für die es nichts natürliches ist Fakten automatisch in Frage zu stellen “einfältiger” sind.

    Ob Menschen, die vermeintliche News nicht in Frage stellen glücklicher sind hängt sicher von den News ab. Sind diese positiv oder negativ? Wer bei negativen und allzu dramatischen News noch einmal mehr hinschaut und somit manches widerlegen kann wird wohl besser und im Nachhinein auch glücklicher mit der Nachricht umgehen können.

    Liebe Grüße

    1. Hey Hey!
      Dir natürlich auch erstmal Danke für deinen Kommentar!

      Da hast du vermutlich recht. Ich gehe auch stark davon aus, dass sich das einfach irgendwann zu einer Gewohnheit entwickelt.

      Ob einfältige Menschen glücklicher sind, war nicht explizit auf Nachrichten bezogen, sondern eigentlich ganz allgemein gemeint. In diesem Bezug gebe ich dir allerdings recht, dass es ganz abhängig davon ist, welche Art von Nachrichten wir erhalten.

      Vielen Dank dir nochmals, bleib gesund und ganz liebe Grüße!

      Lorenzo

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