Vertrauen: Aufbau, Verlust, gesellschaftliche Bedeutung

Von euch gewünscht, von mir geschrieben:

Letze Woche gab mir der Twitter Hashtag #notrustnonews den Anlass folgendes in wenige Zeichen zu quetschen:

Wenn man mal so drüber nachdenkt, baut ziemlich viel in unserer Gesellschaft auf Vertrauen auf. Angefangen beim Wert eines Stückchens bunten Papiers bis hin zum Vertrauen, dass wir uns an Gesetze halten. #notrustnonews

Daraufhin habe ich euch, meine lieben Leser, dazu befragt, was ihr davon haltet. Von allen Teilnehmern der Instagram-Umfrage stimmten mir sage und schreibe 93% zu. Ein ziemlich eindeutiges Ergebnis. Der ersehnte Blogeintrag zum Thema folgt hiermit.

Das Vertrauen in Geld – ein essentieller Bestandteil unserer Gesellschaft

Vertrauen in Geld und Gesellschaft

Wenn wir jetzt also mal so darüber nachdenken, basiert vieles in unserer Gesellschaft auf Vertrauen.

Auf dem rohen Vertrauen in unser Gegenüber und in unsere Mitmenschen.

Beispielsweise ist Geld ein abstraktes Konstrukt, welches uns helfen soll den Warenaustausch zu vereinfachen. “Digitales” Geld auf Kreditkarten und im Onlinebanking ist hingegen zu Bargeld die nächste Stufe dieser Abstraktion.

Ich vertraue nun einem Menschen, dass er den Wert eines Stückchens bunten Papiers anerkennt. Genauso vertraut dieser Mensch mir damit. Das gegenseitige Vertrauen in dieses Stück Papier machen den Warenaustausch einfacher beziehungsweise erst möglich. Da wir in unserer heutigen Zeit und Wirtschaft auch öfter mal unsere Gehirnleistung beziehungsweise unsere Zeit für buntes Papier austauschen, wäre es nicht immer einfach diese von uns erbrachte Leistung ebenfalls direkt an der Supermarktkasse in die von uns erwünschten Waren zu transferieren.

Das Vertrauen in Geld hilft uns somit auch Zeitunabhängig Waren, Dienstleistungen usw. zu handeln.

In unserer heutigen Welt können wir den bunten Papierschnipseln nicht mehr entrinnen. Ein Leben ohne Geld ist nahezu unmöglich. Ein sich autark versorgender Mensch möge in der Lage sein dies zu tun, aber selbst das gestaltet sich schwieriger als angenommen. Behörden, Ämter, und so weiter und so fort verlangen alle irgendwann mal zumindest ein bisschen Geld.

Den Euro welchen wir beispielsweise in Deutschland als unser Geld ansehen, ist sogar als gesetzliches Zahlungsmittel festgehalten. ( § 14 Abs. 1 Satz 2 BBankG)

Wo wir auch schon beim nächsten Punkt wären.

Gesetze

Wir vertrauen Gesetzen.

Nicht nur, dass wir darin vertrauen, dass Menschen in das in Deutschland gültige Zahlungsmittel vertrauen und dieses verwenden, sondern generell, dass sich die anderen Menschen, ebenso wie ich mich selbst, an Gesetze und Regeln halten.

Wenn wir jetzt über eine grüne Ampel gehen, dann vertrauen wir der Person, die mit ihrem Auto an der roten Ampel steht, dass diese sich an die StVO hält und nicht plötzlich zu fahren beginnt. An dieser Stelle lassen wir das Vertrauen in die Menschen und ihre Menschlichkeit, dass sie nicht willkürlich andere Menschen über den Haufen fahren, unbeachtet.

Dieses Vertrauen in Gesetze und Regeln wird versucht durch beispielsweise Gesetzeshüter und Strafverfolgung u.ä. zu verschärfen, ja, man könnte sagen es wird sogar erzwungen. Schließlich muss ein jeder, der sie nicht beachtet mit einer Strafe rechnen.

Allerdings sind wir hier abermals an einem Punkt des Vertrauens. Denn wir vertrauen wiederum dem Staat, dass er Gesetze und ihre Missachtung ahndet und, dass die Menschen die unter diesen Gesetzen stehen, Angst vor einer Strafe haben beziehungsweise es anstreben eben keine Strafe auferlegt zu bekommen.

Dementsprechend vertrauen wir unseren Mitmenschen, dass sie ihre Jobs korrekt ausführen. Auch dort, wo es vielleicht weniger Kontrollen gibt. Ich vertraue auch dem Metzger, dass er seine Tiere fachgerecht schlachtet und sich vor dem Bedienen seine Hände wäscht.

Wir vertrauen großen Supermarktketten, dass sie uns mit den dort vertriebenen Lebensmitteln nicht vergiften oder uns schaden. In diesem Zusammenhang besitzen diese allerdings selbst Interesse daran das nicht zu tun, da a) die Kunden davon laufen und woanders kaufen würden und b) die Kunden elendig wegsterben würden.

Aber auch die so zahlreich eingeführten Güte- und Bio-Siegel sind auch nur Marketing und Vertrauens basiert. Wir vertrauen hier wieder irgendwelchen Prüfern, dass die ihren Job richtig machen und sich beispielsweise nicht von absurd hohen Summen bestechen lassen.

Beziehungen

Vertrauen in Beziehungen: Aufbauen und verlieren

Natürlich vertrauen wir nicht nur unseren Mitmenschen, denen wir nur aus Zweck und Not begegnen, sondern auch Freunden, Familie und Partner.

In Beziehungen wird Vertrauen häufig als einer der essentiellsten Punkte behandelt. Es erscheint einleuchtend, dass ständige Kontrolle, Misstrauen und Angst eher schlechte Indikatoren für eine funktionierende Beziehung sind. Sofern man ein gutes gegenseitiges Vertrauen hat, ist das auch etwas wundervolles.

Vertrauen bedeutet nicht nur, dass Kontrolle, Misstrauen und Angst verschwinden, sondern auch, dass man sich aufeinander verlassen kann.

Ok, habs gerade nachgeguckt, Vertrauen wird quasi durch Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit definiert. Entspricht ja auch quasi dem von mir gesagten…

Aber es kommt nicht von ungefähr. Es fehlt die erzwingende Instanz, wie sie bei der Gesetzgebung gefunden werden kann.

Vertrauen wird hier mit sich selbst erzwungen.

Man vertraut darauf, dass das Gegenüber nicht skrupellos ist, ein Herz hat und uns nicht verarscht. Und das sind die Gründe weshalb ich wiederum Vertrauen auf einer anderen Ebene in genau diese Person habe.

Vertrauen Aufbauen – Wie entsteht es?

Ein starkes gegenseitiges Vertrauen lässt sich über Zeit ganz einfach aufbauen. Wir müssen in diesem Fall genau umgekehrt vorgehen.

Nicht erwarten, sondern diese Erwartungen übertreffen.

Wir müssen verlässlich, ehrlich und aufrichtig sein.

Das gewünschte Vertrauen vom Gegenüber wird nach dem Erfüllen oder gar übertreffen der Erwartungen von ganz alleine kommen.

Das mag hier natürlich für Beziehungen jeglicher Art (familiär, platonisch, romantisch) funktionieren, wie können wir aber den meist willkürlichen Mitmenschen von vorher ohne dieses vorangegangene Aufbauen vertrauen?

Eigentlich gar nicht und das ist das absurde daran. Wir vertrauen blind in andere Menschen. In dieser Hinsicht sind wir vielleicht alle etwas gutgläubig und naiv.

Genauso, wie es entsteht kann es auch wieder zerstört werden. Es ist ein fragiles Gedankenkonstrukt, das aus Eindrücken, Gefühlen und Überzeugungen aufgebaut ist. Diese können erschüttert und zerstört werden und reißen somit auch unser Vertrauen in Mitleidenschaft.

In Momenten in welchen wir ein hohes Maß an Vertrauen an unser Gegenüber anbringen und genau dann in einem “entscheidenden Moment” werden wir enttäuscht.

Zack!

Das aufgebaute Vertrauen ist dahin. Meist in einer deutlich kürzeren Zeit, als in der es zuvor aufgebaut wurde.

Oder für alle, die mein Buch gelesen haben: Das Gegenüber bricht aus dem Pool der Handlungen aus und vollführt eine Handlung, die wir als zu tiefst unwahrscheinlich betrachtet haben, welche uns aber in solch einer Weise betrifft, dass die Bestandteile des Vertrauens (s.o.) angegriffen werden.

Blindes Vertrauen

Es ist nach den oben genannten Punkten ersichtlich, dass blindes Vertrauen an manchen Stellen in unserem Leben unausweichlich ist. Vor allem im zwischenmenschlichen Bereich sind sie es. Wohingegen wir auch in Zeiten der Digitalisierung immer mehr den Datenkraken namens Google, Amazon, Facebook und so weiter häufiger Vertrauen. Obwohl es eine eher allgemein misstrauische Stimmung gegenüber diesen gibt, verkaufen sich Amazons Echos wie geschnitten Brot.

Überall im Internet kursieren seit geraumer Zeit auch Witze darüber, dass Menschen nun schon freiwillig ihre Wohnungen mit diesen Wanzen ausstatten. Wir vertrauen hier auch Amazon, dass diese uns nicht abhören und/oder unsere Daten an Dritte weitergeben. Gleiches gilt auch für alle anderen datensammelnden Unternehmen.

In solchen Fällen ist es natürlich alles andere als gut, diesen einfach blind zu vertrauen.

Allerdings stellt sich dabei die Frage, wie wir das nicht tun können, ohne uns in größerem Maße selbst einzuschränken. Natürlich gibt es Alternativen zu Google usw. aber irgendwie liefert die allseits beliebte Suchmaschine dennoch immer die besten Suchergebnisse. Oder wenigstens vertrauen wir darauf, dass sie das tut.

Was wir tun können

Nichts.

Eigentlich gar nichts.

Was bleibt uns anderes übrig als zu vertrauen?

In einer möglichst unangenehmen Welt zu leben, in welcher wir in stetiger Angst vor der Unberechenbarkeit unser Mitmenschen für uns selbst leben und in welcher wir stets alles mit eigenen Augen und eigenen Erfahrungen überprüfen müssen? Was ist, wenn wir dennoch getäuscht werden?

Insgesamt eher die weniger coole Art zu leben, nicht wahr?

Dieses blinde Vertrauen ineinander macht unser beinahe reibungsloses Leben in unserer heutigen Gesellschaft erst möglich. Ohne es würde viel viel viel mehr schief gehen, als wir uns mit unserer ausgeprägten Vorstellungskraft ausmalen können.

In anderen Bereichen erschwert uns Misstrauen das eigene Leben ungemein.

Es ist ein gutes und gleichzeitig massiv beunruhigendes Gefühl, dass sich so viele Menschen gleichzeitig Vertrauen.

Wir könnten versuchen an dieser Stelle unsere gesamte Gesellschaft auf Vertrauen herunterzubrechen. Es gilt der Leitsatz: Ich vertraue darauf, dass mich mein Gegenüber nicht anlügt/verarscht und gleiches gilt im Umkehrschluss.

Leuchtet euch das ein? Schreib mir eure Meinung mal in die Kommentare!

Bis dahin, vielen Dank fürs Lesen und

bleibt auf Umwegn!

“Money” Photo by Pepi Stojanovski



“Couple” Photo by Sabina Ciesielska

4 Antworten auf „Vertrauen: Aufbau, Verlust, gesellschaftliche Bedeutung“

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