Corona spaltet die Gesellschaft

Covid19 Bürger
Photo by Jacek Dylag

Sehr lange ist es her, aber UMWEGN ist endlich zurück!

Und damit es nicht langweilig wird, melde ich mich sofort mit einem brisanten Thema zurück. Ja, ich weiß, dass ihr es eigentlich alle nicht mehr hören könnt, aber heute geht es tatsächlich um Corona oder offiziell Covid-19.

Beziehungsweise eher darum, dass sich viele Menschen in unserer Gesellschaft mittlerweile sehr im Zwiespalt beim Umgang damit sehen.

Fromme Bürger:innen

Zu Beginn der Covid19-pandemie erschien es uns allen sehr einleuchtend. Ein bisschen ätzend, aber klar, sich selbst zurücknehmen, sodass wir nicht überrannt werden und das Gesundheitssystem nicht zusammenbricht. Das war damals alles kein Thema. Zusätzlich gab es ja sogar einen absehbaren Zeitrahmen für die Beschränkungen.

Viele, leider nicht alle, haben sich daran gehalten. Frei nach dem Motto geteiltes Leid ist halbes Leid, litten wir gemeinsam. Im Internet wurde alles mögliche geteilt, wie man die Zeit angenehm verbringen konnte, wie wir es schaffen nicht komplett zu vereinsamen und sogar wie wir es schaffen trotz dieser ätzenden Zeit, produktiv zu sein.

So weit, so gut. Dazu kam die stetig steigende Impfquote. Fromme Bürger:innen standen stundenlang in den Anstehschlangen von Impfzentren und Hausärzt:innen in der Hoffnung den schützenden Piks zu erhalten. Mit welchem uns, bei entsprechender Impfquote, auch die Freiheit versprochen wurde.

Der Sommer verlief mild. Immer mehr Lockerungen ließen uns mehr und mehr zur Normalität zurückkehren. Maskenpflicht okay, das war mittlerweile auch bereits zur Angewohnheit geworden und störte die meisten nicht mehr so sehr. Wir hatten das Gefühl Corona wäre im Griff.

Und schließlich kam der Semesterstart und die Öffnung der Clubs und Bars. Die langersehnte Freiheit war zurückgekehrt und die Träume von Normalität erfüllten sich.

Dann kam der Trotz

Wie wir leider alle wissen, hielt die Freude nicht lang. Zu lasziv wurde gefeiert, sich getroffen oder – und das ist der Hauptgrund – mit der Impfung umgegangen. Immer mehr und mehr Covid-19-Erkrankte finden sich auf Intensivstationen wieder. Die Krankenhäuser drohen zu überlasten und die Inzidenz und Hospitalisierung stehen auf einem Rekordhoch.

Und wir alle HASSEN ES!

Wir wissen nämlich genau, dass das nur eins bedeuten kann: Einschränkungen.

Und genau diese haben wir erst kürzlich hinter uns gelassen. Die neu erlangte Freiheit müssen wir gleich wieder aufgeben.

Corona Weihnachten
Photo by Kira auf der Heide

Das ist, wie wenn wir ein richtig geiles Geschenk zu Weihnachten bekommen, das wir all unseren Freunden im neuen Jahr zeigen wollen, nur damit es noch vor Neujahr kaputt geht und wir es nicht weiter benutzen und niemandem zeigen können.

Die Freude ist zu Beginn groß, aber der Verlust schmerzt umso mehr.

Möglicherweise ist das der Ursprung des Trotzes. Ich habe mitbekommen, das viele Leute trotzig geworden sind. Sie haben keine Lust mehr auf Einschränkungen, auf Homeoffice, auf Vorlesungen über Zoom und das ständige Zuhausebleiben. Sie haben das Gefühl alles getan zu haben, was für sie möglich war und was ihnen vorgeschrieben wurde und trotzdem sind wir mittlerweile nicht dort, wo wir hätten sein sollen. Es reicht einfach mit dem ganzen Zeug, weil es offensichtlich nicht den gewünschten Effekt hat, ein:e fromme:r Bürger:in zu sein. Es scheint, als würde das einfach nichts bringen. Impfung, Einschränkungen, Maske und trotzdem stehen wir da, wo wir vor Monaten schon standen, nein, wir stehen sogar schlimmer dar.

Die Menschen sind müde.

Von einigen Leuten in meinem Umfeld habe ich auch dementsprechend Sätze gehört wie: „Dann sterben jetzt halt Leute“. (Damit sind implizit Ungeimpfte gemeint, die hauptsächlich mit Corona auf den Intensivstationen Deutschlands landen.)

Häufig werden dabei aber auch all die anderen vergessen, die solch eine Haltung in Gefahr bringt.

Der Zwiespalt

Immer wieder wird im Zusammenhang mit Corona von der Gefahr „der Spaltung der Gesellschaft“ gesprochen.

Querdenker und „die frommen Bürger:innen“ bilden hierbei die Extreme. Doch ich habe das Gefühl, dass diese Spaltung längst keine Bedrohung mehr ist, sondern vielmehr bereits passiert ist. Allerdings nicht im gesellschaftlichen Kontext, zwischen den „normalen“ und den „querdenkenden“ Bürgern, sondern im individuellen Kontext.

Ich verstehe den Gedankengang. Ich bin ebenfalls müde und lustlos und auch die Einschränkungen nerven mich, aber ich sehe weiterhin die Notwendigkeit zeitweise kürzer zu treten, um die Gesamtgesellschaft vor dem Kollaps zu bewahren.

Auch ich bin gespalten. Nicht zwischen einem Querdenker-Alter-ego und einem Solidarischen-Alter-Ego, vielmehr zwischen den beiden Fragen, ob ich es mental schaffe nochmals derartige Einschränkungen auf mich zu nehmen und, ob es die Gesellschaft ohne mich schafft nicht zu kollabieren.

Letztere Frage kann dabei, rein rational mit nein beantwortet werden.

Corona und mentale Gesundheit

Corona Mentale Gesundheit
Photo by Nik Shuliahin

Die Twitteruserin „Cettina“ (@4erbembel) trifft es, wie ich finde, recht gut.

Viele Leute haben die gleichen Gedanken. Sie entscheiden sich oder müssen sich vielmehr für ihre mentale Gesundheit entscheiden.

(Dass das eine gute Sache ist, aber in der aktuellen Ausnahmesituation gleichzeitig schwierig ist, sei mal dahingestellt.)

Das könnte im Umkehrschluss allerdings bedeuten, dass weiteren Einschränkungen nicht Folge geleistet wird, diese entsprechend nicht den gewünschten Effekt erzielen und somit alles weiter den Bach hinunter geht.

Es ist schwierig abzuwägen, wie weit ich meine mentale Gesundheit weiter malträtieren kann, ohne gleichermaßen das Gesundheitssystem zu überlasten und somit unsere Allerliebsten zum Opfer eines Mangels an Intensivbetten zu machen.

Ich weiß an dieser Stelle leider auch nicht weiter.

Vielleicht aber ihr? Was haltet ihr von der ganzen Sache? Was wünscht ihr euch? Schreibt es mir gerne in die Kommentare, ich bin gespannt!

Vielen Dank fürs Lesen, passt auf euch auf und bleibt auf UMWEGN!

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Veröffentlicht am
Kategorisiert in Gesellschaft

Von UMWEGN

Seit 2016 schreibe ich nun auf UMWEGN. Das alles startete in Begleitung zu meinem Buch und mehr als ein Experiment. Mittlerweile möchte ich das Buch, den Blog oder den Podcast nicht mehr missen. Auf UMWEGN geht es um Gesellschaft, Kommunikation, Selbstentwicklung und hin und wieder um philosophisches. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

4 Kommentare

  1. Der Gipfel des Irrsinns ist ja, dass die Impfpflicht Ende Februar oder Anfang März kommen soll. Genau dann, wenn die Temperaturen ansteigen. Bei steigenden Temperaturen fällt die Inzidenz unter 35. Der R-Wert liegt jetzt schon bei lediglich 0,89.
    Das BVG wird den Irrsinn nicht beenden.
    Es gibt kaum noch Möglichkeiten. Bitte googeln: Manifest Natura Christiana

    1. Hallo Freichrist343,

      das finde ich auch ein bisschen unpassend, wenn auch nicht „irrsinnig“. Aber da bin ich ganz deiner Meinung, dass die Impfpflicht früher kommen sollte und wir nicht bis Februar/März warten sollten.

      Eine Frage noch: Welche Möglichkeiten meinst du in deinem letzten Satz?

      Liebe Grüße, Danke für deinen Kommentar und
      bleib auf UMWEGN!

        1. Hallo Freichrist343,
          „möglicherweise“ und „wenn“ sind zwei sehr vage Aussagen. Schauen wir doch mal, wie sich das alles entwickelt. Vielleicht lassen sich noch genügend Menschen impfen und eine Impfflicht wird obsolet.

          Dann wäre alles gut!

          Liebe Grüße

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