Alternativlos

Wir leben heutzutage in einer Welt mit so viel Angebot, wie es das noch nie gab. Es gibt etliche und abertausende Versionen von diesem oder jenem Produkt und ständig kommen mehr und mehr dazu. Dazu habe ich auch schon ein Kapitel in meinem Buch “Die vollkommene Gesellschaft” verfasst.

Überangebot

Dort heißt es im Kapitel “Überangebot” an ausgewählten Stellen:

 

[…] gleichzeitig wird aber auch immer weiter designed, geforscht, gebaut und hergestellt. Es ist eine unendliche Kette und die älteren Versionen eines Produkts verschwinden nicht sofort vom Markt. Sie verweilen, bis sie schließlich als “unverkäuflich” deklariert werden. Durch die schnelle Entwicklung kommt der Markt nicht hinterher Altes gegen Neues zu tauschen und es entsteht ein Markt mit einem riesigen Überangebot aus alten und neuen Produkten, die für den Kunden  meist unerkennbare, aber gehörige Unterschiede aufweisen.

Okay, ja das leuchtet ein oder? Aber was hat das mit der Alternativlosigkeit zu tun?

Es ist doch so, dass, auch wenn wir einem so großen Angebot gegenüberstehen, wir trotzdem nicht alle Alternativen, die es von einem Produkt gibt, kennen. Wie denn auch? Das sind, wie bereits angemerkt, viel zu viele. Und auch Fachkräfte im Geschäft kennen nicht alle. Wahrscheinlich kennen nicht einmal die Fachkräfte eines einzelnen Herstellers alle Geräte ihres Arbeitgebers.

Aber das bedeutet doch nicht, dass wir alternativlos sind?

Die Illusion

Na ja, nicht per se.

Der findige Marketing-Mensch erschafft die Illusion, dass wir die Alternativen kennen würden. Ganz gewieft ist es dann, wenn die “angebotenen” Alternative auch noch zum gleichen Unternehmen gehören.

Wir sind also nur insofern alternativlos, da wir nicht alle Alternativen kennen. Im Rahmen der uns bekannten “Alternativen” haben wir stets die Wahl (oder jedenfalls hast du das Gefühl, die Wahl zu haben), auch dann, wenn es sich im eigentlichen Sinne gar nicht um richtige Alternative handelt. Und was sind keine “richtigen” Alternativen?

Das ist beispielsweise bei Media-Markt und Saturn der Fall. Einige von euch denken sich vielleicht: “Hey Media-Markt ist viel besser als Saturn” und andere denken das Gegenteil. Bis vor einigen Jahren haben sich dann vielleicht nochmals andere gedacht: “Scheiß auf die Läden ich kauf das bei Redcoon einfach im Internet”.

Und jetzt kommt der Clou an der Sache. Das ist alles das gleiche Unternehmen. Media-Markt, Saturn und Redcoon gehören zur selben Aktiengesellschaft. Außerdem ist es unauffällig auffällig, dass Media-Märkte ausschließlich in Vororten und Außerstädtischen Einkaufszentren, Saturn-Märkte hingegen mitten auf den großen Einkaufsstraßen der Städte zu finden sind.

Aber das hört nicht bei Elektronik auf. Sagen wir mal, du planst eine große Party, brauchst also dieses ganze Party Zeug in relativ großen Mengen. Du hast jetzt die Möglichkeit, weil vielleicht einer deiner Eltern so eine Metro-Karte hat, bei Metro einkaufen zu gehen. Oder du gehst zu Real, die sind ja meistens auch ziemlich groß und günstig.

Und wieder einmal wurdest du hinters Licht geführt. Auch die beiden gehören zu ein und derselben Aktiengesellschaft.

Okay, du gehst in solchen Situationen hauptsächlich den Marketingmenschen auf den Leim. Das ist allerdings, solange du nicht eine der “Marken” boykottieren möchtest, nicht weiterhin schlimm.

Ganz anders ist es dann schon, wenn du Marken wie Nestlé, Unilever oder P&G versuchst aus dem Weg zu gehen. Auch diese haben etliche verschiedene Versionen von Produkten und meistens weiß man gar nicht, dass auch dieses oder jenes wieder zu Nestlé gehört. Wenn man sich dann mit dem Thema auseinandersetzt, bemerkt man erst, wie riesig solche Konzerne sind.

Wenn wir jetzt die Marken-Thematik ausklammern, dann können wir trotzdem weiterhin sehen, dass wir nicht immer alle Alternativen kennen.

Ich für meinen Teil, wusste für längere Zeit nicht, dass es auch so etwas wie Sicherheitsrasierer (oder auch Rasierhobel) gibt. Es müssen also nicht immer 3, 4 oder 1000 Klingen sein. Mir reicht jetzt schon seit langer Zeit eine einzige Rasierklinge an meinem Rasierer. Gut, ich hab jetzt auch nicht sonderlich viel Bartwuchs #SAD , aber dennoch hat mich die Erkenntnis, dass es noch mehr, beziehungsweise weniger, Rasierer gibt, zum Staunen gebracht.

Und jetzt kommt das Ding. So ein Sicherheitsrasierer, hat mindestens ein äquivalentes Rasierergebnis, wie ein herkömmlicher n-Klingen Rasierer. Weiterhin sind die Klingen deutlich deutlich günstiger. Bei DM, etc. bekommt man einen 10er Pack für Knapp 2€. Und mit einer Klinge kann man sich schon ein paar Mal rasieren. Zusätzlich, produziert man somit deutlich weniger Müll.

Das lohnt sich also vorne und hinten. Und wenn du dir nun, einen schönen, etwas teureren Sicherheitsrasierer kaufst, dann amortiersiert sich das durch die günstigen Klingen super schnell und sieht auch noch schick aus. Außerdem ist es auch nicht sonderlich schwer sich damit zu rasieren.

Und jetzt?

Am besten gar nichts kaufen. Die optimale Alternative findest du sowieso nicht.

Ne Spaß beiseite. Ich möchte hier an dieser Stelle keine Lösung präsentieren. Ich möchte mit diesem Blogbeitrag nur die Aufmerksamkeit auf die vermeintliche alternativreiche Geschäftswelt lenken. Und die kritische Einstellung deinerseits gegenüber dem vorhandenen Angebot schüren.

Thematisch passend sind hier viele Phrasen wie:

  • über den Tellerrand (des Angebots) hinausschauen
  • Think outside of the (Angebots-) Box
  • und so weiter und so fort

Und genau das wünsche ich mir. Das wir nicht das kaufen, was uns “vorgeschrieben wird” sondern einfach auch mal gucken, was es denn noch so gibt. Und wer weiß, vielleicht passt das eine Produkt, was du zunächst nicht auf den Schirm hattest, doch viel besser auf dich, als das, was jeder andere schon zuhause im Regal stehen hat, weil es die beste Alternative zu dem uns bekannten Angebot darstellt.

Eigentlich…

geht es in diesem Beitrag abermals um die klassische David gegen Goliath-Thematik. Ich versuche hiermit das Bewusstsein für kleinere Hersteller und Unternehmen, die von den großen Konzernen in den Schatten gestellt werden, in das richtige Licht zu rücken. Darauf wollte ich beim Beginn des Posts zwar gar nicht heraus, aber so entwickelt sich eine Blogidee nun mal.

Vielleicht habe ich dich nun aber dazu ermutigt auch mal ab vom Schuss nach dir unbekannten Alternative zu suchen, die deine Bedürfnisse vielleicht gänzlich zu erfüllen verstehen.

Und jetzt noch eine Abschlussweisheit:

Die offensichtlichste Lösung (Alternative) ist nicht zwangsweise die beste Lösung (Alternative).

Damit verabschiede ich mich bis nächsten Dienstag, vielen Dank fürs Lesen und

bleib auf Umwegn!

 

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“Ducks” Photo by Joshua Coleman

“One Way” Photo by Brendan Church

Über UMWEGN

Seit 2016 schreibe ich nun auf UMWEGN. Das alles startete in Begleitung zu meinem Buch und mehr als ein Experiment. Mittlerweile möchte ich das Buch, den Blog oder den Podcast nicht mehr missen. Auf UMWEGN geht es um Gesellschaft, Kommunikation, Selbstentwicklung und hin und wieder um philosophisches. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

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Eine Antwort auf „Alternativlos“

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