Was ist gerecht? – Subjektive Gerechtigkeit

Schleier des Nichtwissens
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Schon häufiger habe ich euch hier gefragt, warum ich denn noch nicht so bekannt und berühmt bin, wie ich es eigentlich sein sollte. Schon häufiger habe ich mir gewünscht, entdeckt und gesehen, gelesen und als Autor geliebt zu werden.
Schon häufiger habe ich mir diese Gerechtigkeit gewünscht.

Aber wäre das überhaupt gerecht? Was bedeutete Gerechtigkeit und wie subjektiv ist dieses Empfinden?

Damit möchte ich mich im heutigen Beitrag beschäftigen.

Was ist gerecht / Gerechtigkeit?

Die Ausgangsfrage lautet also, wie wir ganz objektiv herausfinden können, was überhaupt gerecht ist. Kann es so etwas wie absolute, Gerechtigkeit überhaupt geben?

Gläubige Menschen vertrauen hierbei auf ihren Glauben. Die höhere Macht an die sie glauben, sei es nun Gott, Karma oder was auch immer, wird Gerechtigkeit walten lassen. Jede Person in der Welt bekommt also das, was sie verdient hat, basierend auf dem Gerechtigkeitsempfinden dieser höheren Macht.

Das erscheint logisch, da eine höhere Macht einen Gesamtüberblick über die Taten aller Menschen hat. Mit dieser unfassbaren Masse an Informationen sollte also die richterliche Entscheidung unserer höheren Macht eine gute Entscheidung sein. Ergo bekommt jeder Mensch das, was er oder sie verdient hat.

Leider erklärt das immer noch nicht, was gerecht ist. In diesem Fall sind wir als Menschen davon losgelöst. Obwohl wir vielleicht unser eigenes Gerechtigkeitsempfinden haben, existiert ein höheres quasi „richtigers“ und „gerechteres“ Gerechtigkeitsempfinden, eben jenes der höheren Macht. Diese Entscheidet, was gerecht ist und was nicht.

Für alle Personen die ungläubig oder nicht stark gläubig sind, gibt es andere Definitionen von Gerechtigkeit.

Der Schleier des Nichtwissens

Schleier des Nichtwissens
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In Philosophie versierte Personen wissen, dass wir nicht über Gerechtigkeit sprechen können, ohne John Rawls zu erwähnen.

John Rawls erfand das Gedankenexperiment des „Schleier des Nichtwissens“. Dieses funktioniert kurz gesagt so:

Wir diskutieren als Gesellschaft hinter dem sogenannten „Schleier des Nichtwissens“. Nichtwissen bedeutet an dieser Stelle, dass wir nicht wissen, in welcher Situation und als was wir geboren werden.

Das heißt, wir sprechen bereits vor unserer Geburt über die Gerechtigkeit auf der Welt, legen Regeln fest und entscheiden über die Situation von vielen Menschen auf der Erde.

Der Schleier soll uns dabei helfen niemanden zu bevor- oder zu benachteilen. Da wir nicht wissen, in welcher Situation wir geboren werden, bspw. als Nachfahr:in von vermögenden Eltern oder als kurz nach der Geburt verwaiste Person, ohne Familie und ohne „Startkapital“. Mit diesem Gedanken im Kopf müsste sich eine möglichst gerechte Welt entwerfen lassen, so die Theorie.

Es gibt an diesem Gedankenexperiment allerdings auch Kritik. Die Frage bleibt bestehen, ob sich in diesem pränatalen Diskussionsforum nicht doch irgendwelche Gruppen bilden, die bereits dort die selben Auffassungen haben und unter der Inkaufnahme des Risikos selbst als später ausgegrenzte Person geboren zu werden, ausgrenzen.

So nett dieses Gedankenexperiment auch sein mag, leider werden wir nicht herausfinden können, ob die Diskussion fruchtet und tatsächlich eine gerechtere Gesellschaft erschaffen werden könnte.

Des Weiteren gelten bei dem Gedankenexperiment noch weitere Regeln oder Prinzipien. Beispielsweise gilt das Differenzprinzip (auch Maximin-Regel genannt), welches den Umstand beschreibt, dass auch Ungleichheit gerecht sein kann, wenn sie auch die damit Benachteiligten insgesamt besserstellt.

Ein kleines Erklärvideo mit weiteren Hintergrundinformationen zum Schleier des Nichtwissens und John Rawls findest du hier.

Was ist denn nun gerecht?

Justitia Göttin der Gerechtigkeit
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Die Frage bleibt also weiterhin bestehen. Richtig erklären oder auf irgendetwas basieren können wir das nicht.

Gerechtichgkeit ist das eigene Empfinden von Situationen, das Abwägen von Vor- oder Nachteilen, das Betrachten von verschiedenen Standpunkten und schließlich das Definieren von Gerechtigkeitswerten.

Und das alles geschieht subjektiv in unserem Kopf und mittels unseres Gefühlsempfindens. Ich selbst betrachte oder nehme Teil in Situationen, wäge darin ab, wie unfair oder fair beispielsweise die Ausgangssituation eines/einer Akteur:in in dieser Situation war, höre mir noch die Seite einer weiteren Person an und entscheide schließlich, wie stark die Gerechtigkeit hier aus- oder eben unsausgeprägt war.

Je nachdem, wie mein eigener Hintergrund ist, wie sehr ich mich mit Personen identifizieren kann oder will und wie gut mich eine Person daran teilhaben lässt, beeinflusst mein eigenes Gerechtigkeitsempfinden.

Idealerweise endet unser Gerechtigkeitsempfinden vielleicht hier. Häufig kommen aber noch andere Sachen hinzu, wie eigene Überzeugungen. Das ist mit ein Grund weshalb die römische Göttin der Gerechtigkeit Justitia mit einer Augenbinde dargestellt wird. Sie richtet ohne den/die Angeklagte:n anzusehen und ist deshalb unparteiisch. In Deutschland gesellt sich dazu noch Artikel 3 des Grundgesetztes, der besagt: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

Das ist ja nun auch alles schön und gut, wenn das eben so umgesetzt wird. Wir müssen an dieser Stelle nun aber die Frage von oben nochmals aufgreifen und etwas umformulieren:

Gibt es objektive Gerechtigkeit?

Subjektive Gerechtigkeit
Photo by Saúl Bucio on Unsplash

Wie es scheint, kann es die objektive Gerechtigkeit nicht geben. Beziehungsweise kann nur der/die sie walten lassen, der/die einen allumfassenden, stetigen Blick auf die Dinge der Welt hat. Dieses etwas, kann, sofern es frei von eigenen Motiven und Überzeugungen ist, Gerechtigkeit unter den Menschen walten lassen.

Für alle anderen ist es eine sehr subjektive Sache. So wie immer, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht. Jedoch gibt es keine Lösung, wie wir beispielsweise Richter:innen noch gerechter „machen“ können, ohne die meist ohnehin schon komplizierten Gerichtsprozesse noch komplizierter zu machen. Diese subjektive Gerechtigkeit veranlasst mich auch, die Objektivität des Geschworenengerichts anzweifeln, das in einigen Ländern Anwendung findet.


Was ist deine Meinung dazu? Schreib sie mir gerne in die Kommentare. Ich bin gespannt!

Vielen dank fürs Lesen und

bleib auf UMWEGN!

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Von UMWEGN

Seit 2016 schreibe ich nun auf UMWEGN. Das alles startete in Begleitung zu meinem Buch und mehr als ein Experiment. Mittlerweile möchte ich das Buch, den Blog oder den Podcast nicht mehr missen. Auf UMWEGN geht es um Gesellschaft, Kommunikation, Selbstentwicklung und hin und wieder um philosophisches. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

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