Überdramatisierung des Alltags – Wenn alles zum Event wird

“Hmm…  soll ich das jetzt posten? Eigentlich nicht so spannend…. Ach, egal!”

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Tu es.  Tu es und poste den Scheiß überall. Egal was du machst in deinem Leben, egal wie schlimm oder wie cool es ist. Einfach raus damit! Hauptsache posten.

Ist alles, wirklich so wichtig, dass man es posten muss?

Na klar, rhetorische Frage. Klare Antwort: Nein. 

Wenn wir uns allerdings mal so angucken, was die Leute teilen, dann ehm, ja dann, könnte man schon schnell meinen, dass jeder kleinste Aspekt ihres Lebens tatsächlich unheimlich wichtig ist.

  • Hey, wow, OMG du bist bei McDonald’s!
  • Oh wow, nach dem dritten Mal in Folge ist der Ausblick tatsächlich besser, vielleicht postest du noch drei Stories, für das volle Erlebnis?
  • Unglaublich, du bist schon wieder auf dem Weihnachtsmarkt und trinkst Glühwein?? OMG so cool und freut mich echt, dass du dir so viel gönnst 🙂

Nicht.

Alles ist Event

Das Problem ist meiner Meinung, dass wir die Wahrnehmung dafür, wie wichtig oder interessant etwas tatsächlich ist, verlieren.

Im Internet sind wir alle Kuratoren. Gucken uns dies und jenes an, konsumieren Stunde für Stunde und liken und teilen das, was uns gefällt. Klick um zu Tweeten

Wir teilen dadurch unsere Meinung mit und erklären diesen oder jenen Post mit unserem Like oder Share als gut, witzig, lehrreich, interessant. 

Wenn ich dann aber bei manchen Menschen über die Schulter schaue, wie sie Instagram benutzen, erschließt sich mir auch, weshalb gesponserte Posts von angehenden Bloggern, die sichtlich keinen Mehrwert liefern und noch nicht mal ansehnlich sind, so viele Likes bekommen. Die sind ganz einfach in das Like-Kreuzfeuer geraten und im Gefällt-Mir-Rausch auch mit einem Herzchen markiert worden.

Und so ein Zeug landet dann in meinem Feed, weil meine Follower oder die Personen, denen ich Folge das geliked haben. Da denkt sich der IG-Algorithmus: “Heeeyyyy, dann muss das dem Lorenzo auch gefallen”. So kommt es dann, dass sich überflüssige, unnötige und unansehnliche Posts verbreiten. Und wir alle verschwenden dann Zeit damit, diese anzugucken. 

Natürlich davon abgesehen, dass wir sowieso schon viel Zeit mit dem Zeug verschwenden.

Wenn man im Socialmedia-Life überleben will, muss man aber einfach kuratieren. Man muss viel liken, kommentieren und teilen. Ich würde mir auch mehr Action auf meiner Facebookseite wünschen, aber aufgrund meiner Filterblase, erhalte ich nicht die richtigen Posts, um sie mit euch zu teilen. Deshalb ist es dort also eher still. Ähnliches gilt für Twitter. Allerdings ist dort die Dynamik nochmals etwas anders. 

Die meisten “Kuratoren” allerdings, scheißen auf das was sie teilen und ballern einfach raus. Hier 1000 Likes, da 500 Kommentaren und geteilt wird sowieso alles, was irgendwelche Persönlichkeiten posten, damit man von denen noch ein paar Follower absahnen kann…

So kann man dann einfach auch den Bezug dazu verlieren, was wirklich “teilenswert” ist. Es wird ja generell einfach alles geteilt und so wird sogar der Besuch bei McDonald’s zum Event und muss unbedingt in die Story oder gar in den Feed.

Man teilt quasi mit der falschen Motivation.

Blogger…

Würde ich mir für meine Sachen hin und wieder mal gerne wünschen, aber das passiert ja nur mit den Posts von anderen…

Da kann meine Story auch noch so überdramatisiert sein. Gutes Beispiel die Story, die ich letztens gepostet habe. Da stand dann “RIP Kansics”. Wie einige von euch wissen, hieß mein Instagram-Profil lange so. Aus Gründen der Einheitlichkeit habe ich das nun aber auch in umwegn geändert.

Klar kamen dann einige sonderbare Reaktionen, weil wohl nicht ganz klar war, dass ich nur den Namen gewechselt habe. War auch ein bisschen Absicht, dass ich das so dramatisch gemacht habe. Ich möchte ja dann auch irgendwo unterhalten mit dem Zeug was ich hochlade. Und einige Reaktionen habe ich auch bekommen. 

Nach Aufklärung des Sachverhalts meinte dann auch ein Kumpel nur noch: “Blogger…”. Im weiteren Gesprächsverlauf entstand dann auch die Idee zu dem Beitrag hier, also nochmal merci dafür! :*

Fraglich an dieser Stelle ist, ob ich die auch bekommen hätte, wenn ich ganz sachlich dazu geschrieben hätte: “Hab meinen Namen geändert” oder es gar nicht gepostet hätte. Wenn man im Internet über Socialmedia bekannt werden möchte, wird man also von der Dynamik gezwungen, sein Leben zu überdramatisieren. 

Lizenz zum Spamen

Bekommt man dann also mit der Wahl dieses Hobbys oder dieses, oh je, “Jobs” die Lizenz zum Spammen?

Ich selbst poste auch echt viel Scheiß in meiner Instagramstory. Mal abgesehen davon, dass sich tatsächlich viele von euch das Zeug angucken, habe ich mich aber quasi dazu verpflichtet. Als Blogger ist das mein Job. Schließlich möchte ich ja auch, dass viele Leute meine so eloquent formulierten Beiträge lesen und sich mit dem von mir angesprochenen auseinandersetzen. Quasi unterhaltsames Clickbait betreiben wir Blogger.

Anders sieht es aus, wenn ich zum tausendsten Mal das gleiche poste. Ich weiß ja nicht, wie es bei euch aussieht, aber in meinem Instagramfeed oder auf der Explorepage gibt es gerade extrem viele “Gender-Reveal-Party”-Posts. Also Posts die ein Pärchen dabei zeigen, wie sie zum ersten Mal (natürlich im Rahmen eines Events) das Geschlecht ihres noch ungeborenen Kindes erfahren. Okay, das ist beim ersten noch ganz witzig, beim zweiten vielleicht auch noch, allerdings wird es spätestens beim dritten einfach nur noch langweilig.

Interessanterweise like ich dann aber tausend Bildern von Tigern, die irgendwie auch immer sehr ähnlich aussehen…. #heuchler

Ich möchte an dieser Stelle niemanden verbieten, das zu posten, was er möchte. Kann ich ja auch gar nicht. Vielmehr möchte ich das Bewusstsein für die Leichtigkeit, mit der wir Likes vergeben, erhöhen. Dein Like ist immer auch eine Empfehlung für andere. Und Zuspruch an den Ersteller.

Wow, so hört sich das ja sogar richtig wichtig an… 

Das Dilemma ist also klar. Auf der einen Seite plädiere ich dafür, dass wir alle nur das gute Zeug liken und teilen, kann aber der Praktik des “Spam” nicht entsagen. Leider läuft die Dynamik der sozialen Netzwerke einfach so. Genau aus diesem Grund kann man auch die Dinge nicht mehr steuern, wenn sie ein mal im Internet sind. Niemand kann dir garantieren, dass das “viral” geht. Niemand kann dir garantieren, dass das nicht “viral” geht.

Und was mich da jetzt?

Na ja, so wie es aussieht, weiter meine doch gut besuchten Instagramstories. Ach ja und meine Facebookseite natürlich nicht aufwendiger als bisher bespielen. Vielleicht sollte ich einfach versuchen aktiv meine Filterblase zu verändern, sodass ich euch mal mit interessanten Sachen beliefern kann.

Habt ihr dazu vielleicht ein paar Tipps? Wenn ja, dann schreibt die doch einfach mal in die Kommentare.

Bis dahin, vielen Dank fürs Lesen und

bleib auf Umwegn!

P.S.: Like und Teil das, weil wenn wir schon dabei sind, dann aber richtig!

unsplash-logo“Blogger essentials” Photo by Andrew Neel unsplash-logo“No Junk Mail” Photo by Pau Casals

2 Antworten auf „Überdramatisierung des Alltags – Wenn alles zum Event wird“

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