Bewertung und Vergleich – Was ist dein Maßstab?

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…Puh…

Wenn wir uns mal so umgucken, dann wird in unserer Gesellschaft ziemlich viel gemessen und bewertet.

Ich habe über Bewertungen auch ein Kapitel in meinem Buch geschrieben. Dort heißt es an ausgewählten Stellen:

Alles und jeder wird heutzutage bewertet, ob das nun im Fernsehen oder zum Beispiel in der Schule anhand von Leistung geschieht oder eben im Internet in Form von “Likes” oder beim Onlineshopping in Form von Rezensionen und der Anzahl an Sternchen, die ein Produkt verliehen bekommt.

Die vollkommene Gesellschaft, Kapitel 15 Anerkennung und Bewertung

Der Bewertungsprozess

Bewertung und Vergleich was ist dein Maßstab?

Aber wie bewerten wir eigentlich?

Das kommt ja nicht von ungefähr. Wir sagen ja nicht völlig unvoreigenommen, ob uns etwas gefällt oder nicht, richtig?

Wir brauchen zur Bewertung immer einen Referenzwert. Einen Referenzwert oder auch Maßstab.

An einem Maßstab können wir dann eben jenes Ereignis messen und einfacher vergleichen. Demnach ist ein Maßstab immer auch ein Mittel zum Vergleich beziehungsweise eine Seite eine Vergleichs.

In der Wissenschaft und der Technik gehen wir häufig von markanten Ereignissen beim festlegen von Maßstäben aus. Beispielsweise beschreibt die Temperatur 0°Celsius den Gefrierpunkt von Wasser. Davon ausgehend messen wir alle anderen Temperaturen.

Oder aber wir gehen von einem Minimum oder Maximum aus. Beispielsweise dem absoluten Nullpunkt.

Ein Meter hingegen ist definiert als die Strecke, die Licht im Vakuum innerhalb einer 1/299.792.458 Sekunde zurücklegt. (daher auch die Lichtgeschwindigkeit)

Es erscheint auch logisch, dass wir physikalische Gegebenheiten als Referenz oder Maßstab annehmen müssen, um andere Dinge zu definieren und zu beschreiben. Ansonsten kommen solche seltsamen Sachen wie Fuß, Inch, Mile und Fahrenheit heraus. Es ist aber hierbei auch ersichtlich, dass es einem hohen Standard an Technologie und Forschung bedarf, um wisschenschaftlich fundierte Maßstäbe festzulegen.

Gesellschaftliche Maßstäbe

Gesellschaftliche Maßstäbe: Warum du der Maßstab bist

Aber auch in der Gesellschaft und außerhalb der Technik und Wissenschaft beschäftigen wir uns mit Maßstäben. Nicht, da sie zu unserem Alltag geworden sind wie beispielsweise Grad Celsius, sondern weil wir selbst ein Maßstab sind.

“Ich? Ein Maßstab? Schmeichel mir doch nicht so…”

Sorry, aber mach ich nicht.

Wenn wir es mal so betrachten, sehen wir die Welt ganz schön egoistisch. Alles und jeder wird verglichen und zwar mit dem Maßstab, der uns am nächsten liegt und den wir selbst am besten kennen.

Mit uns selbst.

Es ist nicht immer ein direkter Vergleich mit uns selbst. Es kann genauso gut auch ein Vergleich mit etwas sein, mit dem wir uns bereits verglichen haben. In diesem Fall haben wir unseren Maßstab auf etwas anderes übertragen und verwenden nun diesen, um weiter zu vergleichen.

Kleines Beispiel:

Wenn ich jetzt einen krassen Stunt im Internet sehe, das selbst aber gar nicht so extrem finde, wie bspw. meine Freunde, dann gehe ich davon aus, dass ich das selbst (mit gewissem Training und Übung) hinbekommen könnte.

Oder bin ich einfach abgestumpft, weil ich schon krassere Stunts irgendwo mal gesehen habe und ich im Vergleich jetzt einen höheren Maßstab besitze und somit meine Erwartungen höher ansiedle?

Habe ich dann aber nicht auch schon zuvor meinen eigenen Maßstab auf diesen krasseren Stunt übertragen? Irgendwie ja schon und deshalb sind wir wiederum unser eigener Maßstab.

Wenn wir nun aber selbst unser Maßstab sind, dann sind wir auch gleichzeitig unser Anspruch. Da wir unser eigenes Verhalten auf andere übertragen und uns mit ihnen Vergleichen.

Was ist dein Anspruch?

Ist es dann aber auch so, dass wenn unser Anspruch, der wie gesagt auf unserem Maßstab, also unserer selbst basiert, übertroffen wird, wir uns insgeheim wünschen so zu sein, wie die Person, die ihn übertrifft?

Ui, komplizierter Satz.

Also, Beispiel:

Ich gehe zweimal die Woche zum Sport und habe dann einen Kumpel der gar nicht zum Sport geht, dann fühle ich mich automatisch irgendwie ein bisschen besser. Weil ich mich mit ihm vergleiche und feststelle: er erfüllt nicht meinen Anspruch, ist also gemessen an mir selbst im negativen Bereich meines Maßstabs.

Im Gegenzug kann ich auch Kumpels haben, die vier oder sogar fünfmal die Woche zum Sport gehen. Das empfinde ich dann als krass oder beeindruckend. Dieser Kumpel übersteigt meinen Anspruch und befindet sich im positiven Bereich meines Maßstabs. Dann kann es vorkommen, dass ich mich schlechter fühler als er, da er eben häufiger zum Sport geht als ich.

Wünsche ich mir dann, so zu sein wie er und ebenfalls vier- bis fünfmal die Woche zum Sport zu gehen?

Nein.

Ok, halt halt halt.

Ja, ich widerspreche mir hier selbst.

Möglicherweise ist es nämlich so, dass wir genau wissen, welche Kapazitäten und Möglichkeiten wir besitzen und uns deshalb nicht schlecht fühlen, wenn jemand deutlich unseren Anspruch übersteigt.

Vielleicht habe ich auch gar keine Zeit vier-/fünfmal die Woche zum Sport zu gehen. Oder aber ich sehe es doch nicht als so erstrebenswert meine Zeit so zu verbringen.

Es könnte aber ebenso sein, dass wir hier nicht nur zwei Ereignisse miteinander vergleichen. Ok, ich habe etwas, dass meinen Anspruch übertrifft, dann meinen Maßstab selbst, also mich, und dann noch meinen vorangegangenen Maßstab, sprich mein früheres ich. Wenn ich diese drei Sachen dann miteinander vergleiche, kann ich anhand des bereits gestiegenen persönlichen Maßstabs meine Entwicklung nachvollziehen und anhand dieser ermessen, ob ich den hohen Anspruch erfüllen kann.

Gegebenenfalls haben wir auch verschiedene Ansprüche und nicht einen allgemeingültigen. Da wäre dann zunächst der Anspruch an mich selbst, welcher durch den Vergleich von mir mit meinem früheren Ich entsteht und der Anspruch, den ich an andere habe und der durch den Vergleich meines jetzigen ichs mit dem Gegenüber entsteht.

Eins von beiden wird’s schon sein oder was meinst du? Schreib’s mir mal in die Kommentare!

Allerdings könnte ich mir gut vorstellen, dass wir das so oder so ähnlich überlegen. Natüüüüüürlich nicht so geordnet und schon gar nicht bewusst, dafür ist unser Gehirn einfach zu schnell, aber so in die grobe Richtung.

Wenn wir uns nun aber mit uns selbst vergleichen, bedeutet das doch auch, dass sich unser Maßstab permant verändert, da wir uns selbst ständig verändern. Das klingt hier jetzt fast wie so ein selbst ernannter, total professioneller, Internet-Entrepreneur:

"Du bist immer dein eigener Maßstab, also arbeite daran, diesen stets zu übertreffen" Klick um zu Tweeten

#entrepreneurmindset und so

Ob du das befolgst, kannst du jetzt selbst entscheiden. Je nachdem, was dein Anspruch ist! 😉

Es erscheint mir weiterhin als tugendhaft zu versuchen, sich nur mit sich selbst zu vergleichen, um so dem Neid, der Eifersucht und dem Hass zu entkommen, aber es gestaltet sich schwer. Es erscheint mir gar unausweichlich, da wir schon von klein auf dazu erzogen werden.

Wir vergleichen uns, sei das nun mit Noten, “Likes” oder Gehalt, ständig mit anderen.

Andererseits, wüsste ich spontan auch keinen Ausweg aus der Bewertungsgesellschaft, wie wir sie heute leben. Du vielleicht?

Eventuell müssen wir nicht die Vergleiche ablegen, sondern uns die Redundanz und Wichtigkeit dieser bewusst machen. Denn eigentlich ist es doch scheiß egal, welche Noten deine Kommilitonen geschrieben haben. Und es ist scheiß egal, wie viele Likes dein 1000. Selfie bekommt. Das Gehalt lasse ich aussenvor, da lässt sich drüber streiten.

Abschließend noch ein kleiner Anstoß:

Mach dir bewusst, wie wichtig dieser oder jener Vergleich wirklich ist.  Die meisten sind nämlich überflüssig und schaden nur deinem Selbstbewusstsein und/oder -wahrnehmung.

Vielen Dank fürs Lesen und

bleibt auf Umwegn!

 

“Measuring tools” Photo by Fleur Treurniet

“Reflection” Photo by Redd Angelo

7 Antworten auf „Bewertung und Vergleich – Was ist dein Maßstab?“

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